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Gedichte

 

Gedichte

 

Wie ist die Welt so stille,

Und in der Dämmrung Hülle

So traulich und so hold!

Als eine stille Kammer,

Wo ihr des Tages Jammer

Verschlafen und vergessen sollt.

(Matthias Claudius, Abendlied)

 

Jedes einzelne Buch hat eine Seele.

Die Seele dessen, der es geschrieben hat, und die Seelen derer,

die es gelesen und erlebt und von ihm geträumt haben.

(Carlos Ruiz Zafón, Der Schatten des Windes)

 

Zeile für Zeile

Meine eigene Wüste

Zeile für Zeile

Mein Paradies

(Marie Luise Kaschnitz, Ein Gedicht)

 

Gab es doch nur eine Welt,

die von anderen Welten träumte?

(Philip Pullman, Das magische Messer)

 

Ein Spielmann, der muss reisen,

das ist ein alter Brauch,

drum weht aus seinen Weisen

auch stets ein Abschiedshauch.

Ob ich einst wiederkehre?

Allein Lieb, das weiß ich nicht,

des Todes Hand die schwere

viel Rosenknospen bricht.

(Elimar von Monsterber, Der Spielmann)

 

Und sieh! und sieh! an weißer Wand

Da kam´s hervor wie Menschenhand.

Und schrieb, und schrieb an weißer Wand

Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.

(Heinrich Heine, Belsazar)

 

Und was ist Wortwissen denn anderes als

ein Schatten des wortlosen Wissens?

(Khalil Gibran, Der Prophet)

 

Todesgedanken

Sammeln sich über meinem Glück

Wie dunkle Wolken

Über der Silbersichel des Mondes.

(Sterling A. Brown, Thoughts of Death)

 

Schläft ein Lied in allen Dingen,

Die da träumen fort und fort,

Und die Welt hebt an zu singen,

Triffst du nur das Zauberwort.

(Joseph von Eichendorff, Wünschelrute)

 

Es gibt also eine Welt,

deren unabhängiges Schicksal ich bestimme?

Eine Zeit, die ich mit Ketten von Zeichen binde?

Eine Existenz, die beständig ist durch meine Verfügung?

(Wislawa Szymborska, Freude am Schreiben)

 

Siehst du, wie die Flammen lecken,

züngeln und die Zungen blecken,

wie das Feuer tanzt und zuckt.

Trockne Hölzer schlingt und schluckt?

(James Krüss, Das Feuer)

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